Beitrag vom: 16. März 2026

Schulterschluss von Politik, Handel, Wirtschaft und Verbänden

Seit langem ist der DVSI gefragter Gesprächspartner auf landes- und bundespolitischer Ebene, wenn es um sicherheitsrelevante Aspekte von Spielwaren und um einen fairen Wettbewerb im Zusammenhang mit Online-Marktplätzen geht. Auch beim Roundtable-Gespräch „Schnäppchen oder Gesundheitsrisiko? Sichere Produkte im Online-Handel“ war erneut die Expertise des DVSI gefragt, der auf die Mystery-Shopping-Studien von Toy Industries of Europe (TIE) verweisen konnte. Die alarmierenden Ergebnisse der TIE-Studien decken sich mit den „gefühlten Einschätzungen“ von Verbrauchern, die bei Asia-Plattformen überwiegend ein schlechtes Gefühl haben, wie eine aktuelle Studie des ECC Köln vom März 2026 zeigt. Bei Baby- und Kinderspielzeug/-kleidung hegen je 88% der Befragten bei TEMU und Shein Vorbehalte, bei AliExpress 87%. Trotz der Bedenken waren es diese Plattformen, die laut dem Bundesverband E-Commerce & Versandhandel (BEVH) im Jahr 2025 mit einem Plus von 30% deutlich schneller wuchsen als das gesamte Anbietersegment der Marktplätze.

Die Diagnose scheint also unstrittig, während die Therapievorschläge oft schon an der Mitarbeit der Patienten, sprich Verbraucher scheitern, die, so Ella Priesnitz von der Verbraucherzentrale Bayern in ihrer Begrüßung, es „bequem, schnell und günstig“ lieben. Im Münchener Presseclub herrschte ein breiter Konsens darüber, dass man nur gemeinsam darauf hinarbeiten kann, den Binnenmarkt für Waren von Onlineplattformen aus Dritt­staaten zu verbessern. In erster Linie ist hier die Politik als Wächter gefordert, damit die Spielregeln eingehalten werden, ohne dass es zulasten des Wettbewerbs geht, so Thorsten Glauber, Bayerischer Staats­minister für Umwelt und Verbraucherschutz, in seiner Begrüßung. Anbieter, die sich nicht an Recht und Gesetz halten würden, müssten, so Glauber, die Karte gezeigt bekommen. Marion Zinkeler, Geschäftsführender Vorstand Verbraucherzentrale Bayern, stieß implizit ins selbe Horn. Verbraucher, so Zinkeler, müssten sich grundsätzlich auf die Konformität der angebotenen Produkte verlassen können. Carmen Wegge, Sprecherin für Recht und Verbraucherschutz der SPD-Bundestagsfraktion, suchte nach Antworten, wie dieses Vertrauen geschaffen werden kann. Was sind die Hebel? Mehr Gesetze? Mehr Aufklärung und Bildung? Eine Antwort der SPD-Sprecherin und Juristin: die Einführung eines Zustellungsbevollmächtigen für Plattformen. Dr. Katharina Wunner, Lehrstuhlinhaberin für Bürgerliches Recht, Immaterialgüter und Wirtschaftsrecht an der Universität Bayreuth, machte ein grundsätzliches Problem mit der Form des Direktverkaufs aus, denn die EU sei mit dem Digital Services Act (DAS) normativ gut aufgestellt. Ihre Vorschläge: eine verpflichtende vertiefte Vorabprüfung für Plattformen, verpflichtende Eigeninitiativen, die Präzisierung der Rolle des EU-Verantwortlichen und die Stärkung der Kontrollen durch Zoll und Marktüberwachung. Stefanie Grunert, Referentin im Team Recht und Handel beim Verbraucherzentrale Bundesverband, machte deutlich, wie schwierig es sei, Plattformen in die Verantwortung zu nehmen, wie es oft gefordert wird – auch vom DVSI. Das dürfte aus Sicht des auch anwesenden renommierten Verwaltungsrechtlers Prof. Dr. Thomas Klindt, Partner bei Noerr, auf das Bohren ganz dicker Bretter hinauslaufen. Der DVSI bleibt weiter dran und wird gehört.

Ihr Ansprechpartner beim DVSI: GF Ulrich Brobeil (T: 0911/477112-11; E: brobeil@dvsi.de)

Foto vlnr: UB, Marion Zinkeler