Beitrag vom: 16. Juni 2025

AI Act Implementation Timeline veröffentlicht

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) wird in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. In einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gaben 91% der befragten Unternehmen an, dass generative KI ein wichtiges Thema für ihr Geschäftsmodell und die künftige Wertschöpfung ist. Das entspricht einem Plus von 36% gegenüber 2024. Als häufigster Grund wird genannt, dass der Einsatz zu mehr Innovationen, größerer Effizienz, mehr Umsatz sowie einer stärkeren Automatisierung sowie umfangreicheren Produkt- und Wachs­tumsmöglichkeiten führen würde. Zu den größten Herausforderungen zählen die Unternehmen die ethischen Herausforderungen (68%) sowie Sicherheits- und Compliance-Anforderungen (52%). Um das Vertrauen in die Technologie zu stärken, braucht es also klare Regeln, für die der AI Act steht. Mit dem Gesetz wurde das Fundament für die Regulierung von KI gelegt, um Vertrauen und die Akzeptanz in die Technologie zu schaffen und Innovationen „Made in Europe“ zu ermöglicht. Der DVSI hatte berichtet.

Der AI Act schreibt vor, dass KI-Anwendungen nicht missbraucht werden dürfen. Ebenso muss der Schutz der Grundrechte gewährleistet sein. Gleichzeitig brauchen Wissenschaft und Wirtschaft Freiraum für Innovationen. Der AI Act verfolgt hier einen sogenannten risikobasierten Ansatz. Das heißt, je höher das Risiko bei der Anwen­dung eingeschätzt wird, desto strenger sind auch die Vorgaben. Ein inakzeptables Risiko stellen zum Beispiel KI-Systeme dar, die eingesetzt werden können, um das Verhalten von Personen gezielt zu beeinflussen und sie so zu manipulieren. Für sie gilt ein Verbot, genauso wie für KI-basiertes „Social Scoring“, also die Vergabe von Punkten nach erwünschtem Verhalten. Zudem gibt es eine Transparenzpflicht. Künstlich erzeugte oder bearbeitete Inhalte (Audios, Bilder, Videos) müssen eindeutig als solche gekennzeichnet werden. Hochriskante KI-Systeme – z.B. in den Bereichen kritische Infrastruktur, Beschäftigung sowie Gesundheits – oder Bankenwesen – müssen eine Reihe von Anforderungen erfüllen, um für den EU-Markt zugelassen zu werden. Für Anwendungen mit einem geringen Risiko gelten lediglich eingegrenzte Transparenz- und Informationspflichten. Das KI-Gesetz wurde am 12. Juli 2024 im Amtsblatt der EU veröffentlicht. Das Gesetz verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten, innerhalb von zwölf Monaten nach Inkrafttreten eine nationale KI-Aufsicht zu benennen, die die Einhaltung der Regeln überwacht.

In der vergangenen Woche hat nun der Wissenschaftliche Dienst des EU-Parlaments (European Parliamentary Research Service) ein Dokument zur Umsetzung des AI Act (EU 2024/1689) veröffent­licht. Daraus geht hervor, das einzelne Vorschriften der Verordnung eine schrittweise Anwendung finden, weil noch Präzisierungen am Gesetz folgen.

AI Act – die 𝗙𝗿𝗶𝘀𝘁𝗲𝗻:

  • 02.2025: Pflichten zu verbotener KI und zur KI-Kompetenz anwendbar
  • 08.2025: Vorgaben zu General Purpose AI anwendbar mit Ausnahme der Bußgelder, Vorschriften zu den notifizierten Behörden & Stellen für Hochrisiko-KI, Governance und Bußgelder (Ausnahme GPAI) anwendbar
  • 08.2026: Der AI Act findet Anwendung außer die Einstufungsvorschrift von Hochrisiko-KI nach Art. 6 Abs. 1, Anhang I sowie der zugehörigen Pflichten
  • 08.2027: Einstufungsvorschrift nach Art. 6 Abs. 1 anwendbar (inklusive Pflichten)

Um die Umsetzung zu erleichtern, sind im Laufe des Prozesses mehrere Veröffentlichungen (delegierte Rechtsakte, Richtlinien und Orientierungshilfen) geplant. Hierzu befugt sind die EU-Kommission sowie die weiteren zuständigen Behörden, wie z.B. AI Office und AI Board.

Die allgemeine Anwendung des AI Act greift zwar erst ab dem 2. August 2026. Erste Anforderungen sind aber bereits heute relevant. Unternehmen sollten die Übergangszeit strategisch nutzen, um sich auf die kommenden regulatorischen Anforderungen vorzubereiten. Dazu gehören:

– der Aufbau interner Governance-Strukturen und KI-Compliance-Prozesse

– die Bewertung und ggf. Anpassung bestehender KI-Systeme und Datenflüsse

– die Beachtung der Guidelines & Delegierten Rechtsakte der EU-Kommission

– die Auseinandersetzung mit neuen Standards und Verhaltenskodizes

Timeline