Beitrag vom: 2. März 2026
Europa braucht gemeinsame Antworten auf China-Schock
Die grüne Bundestagsfraktion und die Europagruppe der Grünen im Europäischen Parlament luden in der vergangenen Woche Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, darunter auch den DVSI, zur einer Kooperationsveranstaltung ins Europäische Haus nach Berlin ein, um Fragen zu den Auswirkungen chinesischer Industriepolitik, den neuen geopolitischen Risiken, Abhängigkeiten in Lieferketten, aber auch Chancen für eine aktive europäische Wirtschaftspolitik nachzugehen. Ändern sich die Beziehungen zu China strukturell nicht, so die Bundesvorsitzende Partei Bündnis 90/Die Grünen, Franziska Brantner, würden wir dabei helfen, den 3. China-Schock vorzubereiten, denn – so war von anderer Seite zu hören – China sei mit einem Motorrad unterwegs, während Deutschland noch in Laufschuhen steckt.
Der DVSI, seit geraumer Zeit mit der Vorsitzenden des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO) des Europäischen Parlaments, Anna Cavazzini, im Austausch, nutzte das Format auch, um in bilateralen Gesprächen erneut auf die Problematik mit Billig-Shopping-Plattformen und einem Level-Playing-Field hinzuweisen. Eine IMCO-Delegation unter Leitung von Anna Cavazzini wird Ende März Peking und Shanghai besuchen, um mit chinesischen Regulierungsbehörden, Handelsführern, Industrieverbänden, Zollbehörden und Plattformen zu sprechen. Im Rahmen dieser Visite sollen auch die Stärkung der Verbraucherrechte und der Marktgerechtigkeit in der EU Themen sein. Mit im Gepäck wird Frau Cavazzini die Position des DVSI zur Problematik haben.
Der erste China‑Schock folgte auf den WTO‑Beitritt 2001; den zweiten rief das Institut der deutschen Wirtschaft im Juli 2025 aus, als die Kölner Ökonomen feststellten, dass sich aus der einstigen Win-Win-Situation – China war in dem Modell die Werkbank der Welt, Deutschland der Fabrikausstatter – ein Außenhandel wurde, der immer ungleichgewichtiger wurde. China war 2025 mit 251,8 Mrd. € Außenhandelsvolumen erneut wichtigster Handelspartner Deutschlands, davon entfielen 70,6 Mrd. € auf Importe und 89,9 Mrd. € Exporte. Diese wirtschaftliche und damit einhergehende politische Dominanz sei strategisch gewollt, so MdEP Anna Cavazzini und die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge.
In seiner Keynote betonte der Präsident der EU-Handelskammer in China, Jens Eskelund, dass Europa zwar immer abhängiger von China werde, aber sich durchaus wehren könnte, wenn der alte Kontinent entschlossen auftreten und mit einer Stimme sprechen würde. Auch Dr. Mareike Ohlberg, Senior Fellow, Indo-Pacific Program German Marshall Fund, verwies darauf, dass Europa eher Angst habe als die Bereitschaft zu handeln. China favorisiert deshalb auch aus gutem Grund bilaterale Gespräche, weil es hier grundsätzlich immer stärker auftreten kann. Während China Wirtschaftspolitik als geopolitisches Instrument versteht, pocht Europa zwar auf fairen Wettbewerb, ohne dabei aber Druck auf China auszuüben. Das muss sich laut Jens Eskelund ändern, denn „China is more Adam Smith than Adam Smith himself. Europe doesn’t have any red lights! No willing to defend!“ Eine Antwort wäre z.B., so Jürgen Matthes vom IW Köln, Ausgleichszölle zu erheben, um dem unfairen Wettbewerb etwas entgegenzusetzen. Konsens herrschte darüber, dass Europa entschlossen und gemeinsam auftreten muss. Die Kooperationsveranstaltung zeigte auch, dass die Spielwarenbranche im Kampf um einen fairen Wettbewerb nicht alleine dasteht.
Ihr Ansprechpartner beim DVSI: GF Ulrich Brobeil (T: 0911/477112-11; E: brobeil@dvsi.de)

